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Arbeitsalltag der NDR Außenübertragung – nonlineare Aufzeichnung und Bearbeitung

Ein Bericht von Kristina Kirk   

Kristina Kirk ist 1. Technikerin im Bereich Außenübertragung Fernsehen beim NDR und neben ihrer Tätigkeit als Mazzerin und Cutterin für den nonlinearen Workflow in der Außenübertragung zuständig. Das beinhaltet sowohl die Planung und Umsetzung der Festplattenaufzeichnung als auch Planung, Umbau und Betreuung der AVID Schnittmobile.

Die Außenübertragung des NDR besteht neben mehreren kleineren Fahrzeugen aus drei großen Übertragungswagen, auf denen zusätzlich zu diversen Livesendungen auch Produktionen stattfinden, die zuerst nur aufgezeichnet werden, um sie dann später im
NDR in Lokstedt sendefertig zu schneiden.

Bei diesen sogenannten Multikameraproduktionen werden neben dem Programmausgang des Bildmischers auch mehrere abgesteckte Kameras aufgezeichnet.

Das Problem, das mit Einführung der nonlinearen Endfertigung entstand, war die bis dahin auf Band basierende Aufzeichnung auf dem Ü-Wagen bei der Produktion vor Ort. Bekannte Aufzeichnungs-Medien der Ü-Wagen wie DigiBeta oder IMX haben den Nachteil, dass sie vor der Endfertigung 1:1 ins NLE wie z.B. AVID oder FinalCutPro eingespielt werden müssen.

Um diese teure Ingestzeit zu umgehen, wird beim NDR mit Hilfe des Proavio RS8FS vermehrt File-basierend aufgezeichnet:


Proavio RS8FS im Ü-Wagen des NDR, Foto: B. König

12. April 2010 – Heiligengeistfeld, Hamburg

Nachdem in einer Nachtschicht die Kollegen vom Licht und der Bühne das Zelt der „Fliegenden Bauten“ am Heiligengeistfeld in Hamburg in einen fernsehtauglichen Produktionsort verwandelt haben, rollt um 13h der Ü3 des NDR an seine Position.

Hier sollen abends mehrere Künstler im Rahmen der Produktion „Hamburg Sounds“ vor Publikum auftreten. Die Produktion, die schon seit längerem einmal im Monat für den Hamburger Radio-Stadtsender NDR 90,3 stattfindet, wurde nun auch schon einige Male im NDR Fernsehen übertragen. Künstler wie Stefan Gwildis, Orange Blue, Mary Roos, Roger Cicero, Hugo-Egon Balder und Max Mutzke traten hier in den „Fliegenden Bauten“ vor Publikum auf.

Für die anstehende Fernsehproduktion wurden die Kamera-, Ton- und Videokabel schon von einer zweiten Crew am Freitag vor Beginn der Wochenend- veranstaltungen in den „Fliegenden Bauten“ verlegt und vorbereitet, so dass nun nur noch die kurzen Kabelenden zum Ü-Wagen selbst gesteckt werden müssen.
Nach dem Aufbau der Kameras, Mikrofone und Monitore beginnen gegen 16h die Proben auf der Bühne.

Jeder der sechs Kameraleute bekommt seine Einstellungen zu jeder einzelnen Position im Ablauf der Veranstaltung zugewiesen und weiß während der späteren Aufzeichnung genau, an welcher Stelle er welches Bild liefern muss.

Nachdem die Bild- und Tonproben sowie der Soundcheck für die Künstler gegen 18:30h beendet sind, findet noch eine kurze Stellprobe für die Moderatoren statt, die das Publikum durch den Abend begleiten sollen.
Um 19h gibt es für alle eine kurze Pause, währenddessen schon der Einlass für das Saalpublikum beginnt.

Um 19:45h wird es dann langsam ernst, in der Ü-Wagen-
regie laufen die letzten Vorbereitungen.

Punkt 20h beginnt dann die eigentliche Aufzeichnung des Regieausgangs auf das RAID-System inklusive der einzelnen Kamerasignale im MAZ-Wagen des Ü3.

Gegen 22:30h ist die letzte Einstellung abgedreht und die Aufzeichnung gelungen. Das Saalpublikum geht nach einer hör- und sehenswerten Abendveranstaltung zufrieden nach Hause.

Für die Crew des NDR beginnt nun der Abbau; Kameras, Mikrofone, Lampen, Bühnenausstattung, Monitore, Kabel, alles muss wieder in den Rüstwagen und die LKW verladen werden.

Die Aufzeichnung selbst wird in das sogenannte Zwischenarchiv des NDR Lokstedt gebracht. Hier wartet der Koffer mit den Festplatten auf seinen Termin zur Endfertigung.

Am 27. April ist es soweit, der Schnitt von „Hamburg Sounds“ kann beginnen. Aus der zweieinhalbstündigen Aufzeichnung in den „Fliegenden Bauten“ wird im NDR Lokstedt eine Fernsehfassung von 60 Minuten gefertigt. Hierzu werden alle aufgezeichneten Kamerasignale parallel am FinalCutPro Schnittplatz im Multikamerabetrieb vorgeschaut und an vielen Stellen komplett neu zusammengemischt.

Die fertige Sendung zeigt das NDR Fernsehen  am Freitag, 13. August 2010.
 
Am Ende werden die Festplatten wieder zur Aufzeichnung freigegeben und warten auf ihren nächsten Produktionseinsatz in einem der NDR Ü-Wagen.

15.04.2010 Kristina Kirk
© 2010 NDR



Die Vorteile, die sich bei diesem RAID für den NDR ergeben:
• hohe Datengeschwindigkeit von 4 Gig/sec
• hoher Datenspeicher durch SATA Bestückung von z.B. 8x1TB
• 2 Anschlüsse, damit Anbindung von 2 PCs möglich
• Anschluss von PC und MAC möglich
• einfache Installation
• einfache Einbindung in bestehendes Netzwerk
• einfache Konfiguration über Web-Interface
• einfacher Austausch der Festplatten
• Ausfallsicherheit durch diverse RAID-Level (beim NDR RAID 5)
• 2 getrennte Stromversorgungen

Als FibreChannel-Karte in den Aufzeichnungs-PC´s wird eine Atto Celerity 42ES genutzt.


NDR Ü3 vor den "Fliegenden Bauten", Foto: K. Kirk

Stefan Gwildis und Band beim Soundcheck, Foto: K. Kirk

Regie des NDR Ü3, Foto: K. Kirk

MAZ-Wagen des NDR Ü3, Foto: K. Kirk

Schnittplatz im NDR, Foto: B. Pogarell